Wer kennt es nicht: Ein Freund gratuliert dir auf Facebook öffentlich zum Geburtstag und erwähnt dabei dein vollständiges Geburtsdatum. Oder du kommentierst unter einem Beitrag deiner Lieblingsmarke mit deiner Telefonnummer, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Was harmlos erscheint, kann dramatische Folgen haben – und dennoch machen Millionen Facebook-Nutzer genau diese Fehler täglich.
Warum persönliche Daten in öffentlichen Posts so gefährlich sind
Facebook ist ein soziales Netzwerk, das auf Austausch basiert. Doch viele Nutzer vergessen dabei, dass sozial nicht automatisch privat bedeutet. Dies bestätigt sich durch einen massiven Datenschutzvorfall aus dem April 2021, bei dem Cyberkriminelle Daten von etwa 533 Millionen Facebook-Nutzern durch ein Datenleck abgegriffen und öffentlich verbreitet haben. Wenn du persönliche Informationen wie deine Handynummer, Heimatadresse oder dein vollständiges Geburtsdatum in öffentlichen Beiträgen oder Kommentaren teilst, machst du es Kriminellen erschreckend leicht.
Identitätsdiebe und Phishing-Betrüger durchforsten systematisch soziale Netzwerke nach genau solchen Informationen. Sie erstellen Profile von potentiellen Opfern, indem sie scheinbar unwichtige Informationen zusammensetzen wie Puzzleteile. Ein realer Fall aus Deutschland zeigt die Dimension: 2019 verhängte das Bundesdatenschutzamt ein Bußgeld von 9,55 Millionen Euro gegen die 1&1 Telecom GmbH, weil das Unternehmen nur Name und Geburtsdatum zur Authentifizierung im Kundenservice verwendete. Eine ehemalige Lebensgefährtin konnte sich damit Zugang zu Kundendaten verschaffen – lediglich durch diese beiden Informationen.
Die häufigsten Situationen, in denen wir zu viel preisgeben
Gewinnspiele und Verlosungen
Besonders tückisch sind Gewinnspiele, die verlangen, dass du deine Kontaktdaten öffentlich in den Kommentaren hinterlässt. Seriöse Unternehmen würden niemals nach solchen Informationen in öffentlichen Kommentaren fragen. Häufig stecken hinter diesen vermeintlichen Gewinnspielen Betrüger, die gezielt persönliche Daten sammeln wollen.
Geburtstagsglückwünsche
Die Facebook-Timeline wird zum Geburtstag zur öffentlichen Pinnwand. Freunde schreiben Alles Gute zum 35. Geburtstag oder Happy Birthday am 15. März. Was nett gemeint ist, liefert wichtige Sicherheitsinformationen. Viele Online-Dienste nutzen das Geburtsdatum als Teil des Verifizierungsprozesses. Das Landgericht Bonn stellte 2020 jedoch fest, dass Name und Geburtsdatum allein nicht ausreichen, um ein angemessenes Schutzniveau im Sinne von Artikel 32 der Datenschutz-Grundverordnung zu gewährleisten – was bedeutet, dass diese Kombination zwar häufig verwendet wird, aber eben nicht sicher genug ist.
Umzugsmeldungen und Check-ins
Die neue Wohnung ist bezogen, und stolz postest du Fotos mit der Hausnummer im Hintergrund oder erwähnst die genaue Straße. Kombiniert mit deinem Namen aus dem Facebook-Profil haben Fremde nun deine vollständige Adresse – eine Goldgrube für Identitätsdiebe und auch physische Einbrecher, die wissen, wann du nicht zu Hause bist.
Kundenservice-Anfragen
Ein Problem mit einer Bestellung? Viele Nutzer posten ihre Kundennummer, Telefonnummer oder sogar Bestelldetails direkt auf die Facebook-Seite des Unternehmens. Dabei übersehen sie, dass diese Informationen öffentlich für jeden sichtbar sind und nicht nur für das Support-Team. Der Fall von 1&1 zeigt, wie schnell solche Daten missbraucht werden können: Mit Kundennummer und Geburtsdatum konnte dort sogar die Telefonnummer eines Kunden abgefragt werden.
Was Kriminelle mit deinen Daten anstellen können
Die Gefahren sind vielfältiger, als die meisten annehmen. Der Bundesgerichtshof beschäftigte sich 2021 mit einem gravierenden Datenschutzvorfall bei Facebook, bei dem Cyberkriminelle die Funktion zur Freunde-Suche ausnutzten. Sie konnten so Nutzer-ID, Vor- und Nachname, Land, Geschlecht und Telefonnummern verknüpfen und systematisch abgreifen. Mit deinem Geburtsdatum, deinem vollständigen Namen und weiteren öffentlich zugänglichen Informationen können Betrüger sich als du ausgeben und Passwörter bei Online-Diensten zurücksetzen, Zugang zu Kundenkonten erlangen, indem sie sich als du authentifizieren, gezielte Phishing-Angriffe starten, die deutlich überzeugender wirken, weil sie persönliche Details enthalten, dich erpressen oder stalken und deine Telefonnummer abfragen und für betrügerische Zwecke nutzen.

Besonders perfide: Oft bemerken Opfer erst Monate später, dass ihre Identität missbraucht wurde. Die Stiftung Warentest warnt ausdrücklich, dass Betroffene von Facebook-Datenlecks ihre Ansprüche auf Schadensersatz schnell geltend machen sollten, da die Zeit knapp ist und Rechte verjähren können.
So schützt du deine persönlichen Informationen auf Facebook
Überprüfe deine Privatsphäre-Einstellungen
Gehe in die Facebook-Einstellungen unter Privatsphäre und stelle sicher, dass deine Beiträge nicht auf Öffentlich stehen. Facebook beschränkt öffentliche Profile nicht automatisch, sondern verlangt aktive Einstellungen durch den Nutzer. Die Option Freunde ist ein guter Anfang, noch besser ist Freunde außer Bekannte oder selbst erstellte Listen mit engeren Vertrauten. Kontrolliere auch, wer deine Freundesliste, E-Mail-Adresse und Telefonnummer sehen kann.
Denke nach, bevor du kommentierst
Die Verbraucherzentrale rät zur Datensparsamkeit und gibt einen praktischen Rat: Überlege bei jeder Veröffentlichung, ob du die Information auch laut durch einen Bus rufen würdest. Wenn nein, gehört sie auch nicht in einen Facebook-Kommentar. Bei Gewinnspielen oder Kundenservice-Anfragen nutze immer private Nachrichten oder offizielle Kontaktformulare.
Begrenze, wer dir zum Geburtstag gratulieren kann
Du kannst in den Einstellungen unter Chronik und Markierungseinstellungen festlegen, wer Inhalte in deiner Chronik posten darf. Noch besser: Verstecke dein Geburtsdatum komplett oder zeige nur Tag und Monat ohne Jahreszahl an. Facebook bindet Nutzer bewusst stark an das Geburtsdatum – das Portal sperrt Konten sogar, wenn Nutzer ihr Geburtsdatum verschweigen. Die wichtigsten Menschen in deinem Leben wissen ohnehin, wann du Geburtstag hast.
Lösche alte, problematische Beiträge
Nutze die Funktion Aktivitätenprotokoll, um alte Beiträge zu durchsuchen. Facebook bietet mittlerweile auch die Möglichkeit, alte Beiträge massenhaft auf Nur Freunde umzustellen. Besonders wichtig: Lösche Kommentare mit Telefonnummern, Adressen oder anderen sensiblen Daten.
Sei vorsichtig bei Freundschaftsanfragen
Nicht jedes freundlich aussehende Profil ist echt. Betrüger erstellen Fake-Profile, um Zugang zu den eingeschränkten Inhalten ihrer Opfer zu erhalten. Akzeptiere nur Anfragen von Menschen, die du persönlich kennst oder deren Identität du verifizieren kannst.
Woran du erkennst, dass ein Gewinnspiel unseriös ist
Seriöse Gewinnspiele fragen niemals nach persönlichen Daten in öffentlichen Kommentaren. Weitere Warnsignale sind:
- Die veranstaltende Seite hat nur wenige Follower oder wurde erst kürzlich erstellt
- Es wird ungewöhnlich hoher Druck aufgebaut wie Nur heute oder Letzte Chance
- Die Teilnahmebedingungen fehlen oder sind unprofessionell formuliert
- Du sollst die Seite liken UND kommentieren UND teilen UND Freunde markieren
- Der Preis ist unverhältnismäßig wertvoll für einen unbekannten Veranstalter
Was tun, wenn du bereits zu viel geteilt hast?
Falls du feststellst, dass du in der Vergangenheit zu freizügig mit deinen Daten warst, keine Panik. Lösche zunächst alle problematischen Beiträge und Kommentare. Ändere wichtige Passwörter, besonders wenn du Sicherheitsfragen verwendet hast, deren Antworten auf Facebook sichtbar waren. Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung, die deutlich mehr Schutz bietet als nur Name und Geburtsdatum.
Überwache deine Bankkonten und Kreditauskünfte auf ungewöhnliche Aktivitäten. In Deutschland kannst du einmal jährlich kostenlos eine Selbstauskunft bei der SCHUFA anfordern. Bei konkretem Verdacht auf Identitätsdiebstahl solltest du umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten.
Die goldene Regel für Facebook und alle sozialen Medien lautet: Behandle persönliche Informationen wie Bargeld – du würdest auch nicht öffentlich herumerzählen, wo du dein Geld aufbewahrst. Das Geburtsdatum lässt sich besonders leicht für Identitätsdiebstahl missbrauchen, wie reale Gerichtsfälle belegen. Datenschutz mag zunächst umständlich erscheinen, aber der Aufwand ist minimal verglichen mit den Konsequenzen, die ein Identitätsmissbrauch nach sich ziehen kann. Ein paar Minuten für die richtigen Einstellungen können dir Jahre voller Ärger ersparen.
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