Das ist die Körperhaltung, die selbstbewusste Menschen bevorzugen, laut Psychologie

Die Superhelden-Pose ist real – und sie funktioniert tatsächlich

Was wäre, wenn die Art, wie du gerade dasitzt oder stehst, aktiv daran arbeitet, dich entweder selbstbewusster oder unsicherer zu machen? Klingt nach typischem Selbsthilfe-Quatsch aus Instagram-Reels, oder? Plot Twist: Die Wissenschaft sagt, dass da verdammt viel dran ist.

Eine umfangreiche Meta-Analyse von Forschern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Universität Bamberg und der Ohio State University hat 2022 über 100 Studien mit fast 10.000 Menschen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis wurde im renommierten Fachjournal Psychological Bulletin veröffentlicht und ist ziemlich eindeutig: Selbstbewusste Menschen bevorzugen offene, aufrechte und raumeinnehmende Körperhaltungen. Und noch verrückter – diese Haltung macht sie nicht nur selbstbewusster, sie ist selbst ein Werkzeug, um Selbstvertrauen zu erzeugen.

Willkommen in der bizarren Welt der Embodiment-Forschung, wo dein Körper und dein Gehirn in einer Art endlosem Feedback-Loop miteinander quatschen und sich gegenseitig beeinflussen. Das Ganze ist ziemlich cool und du kannst es sofort für dich nutzen.

Die Wonder Woman-Pose ist keine Fiktion

Also, worum geht es hier genau? Die Haltung, die selbstbewusste Menschen bevorzugen, ist eigentlich super simpel: offen, aufrecht und raumeinnehmend. Wie jemand aussieht, der gerade den Lotto-Jackpot geknackt hat oder ein Olympia-Gold gewonnen hat. Genau diese Pose.

Die klassische Version: Du stehst mit beiden Füßen fest auf dem Boden, etwa schulterbreit auseinander. Deine Schultern sind zurückgezogen, die Brust ist raus, der Kopf gerade. Die Hände? Entweder selbstbewusst in die Hüften gestemmt – ja, genau wie Wonder Woman – oder die Arme siegreich in einer V-Form über dem Kopf ausgestreckt. Du nimmst buchstäblich mehr Platz im Raum ein, als du normalerweise tun würdest.

Das Gegenteil kennst du auch: zusammengesunkene Schultern, eingefallene Brust, Arme eng am Körper oder vor der Brust verschränkt, Blick nach unten. Diese Haltung schreit praktisch: Bitte übersieht mich, ich möchte so wenig Raum wie möglich einnehmen. Und rate mal, was dein Gehirn daraus macht? Genau das glaubt es dann auch über dich.

Warum zum Teufel funktioniert das?

Hier wird es richtig interessant. Du denkst wahrscheinlich: Klar, selbstbewusste Menschen stehen halt so, weil sie sich gut fühlen. Logisch. Aber die Wissenschaft sagt: Moment mal, die Geschichte geht in beide Richtungen.

Die Embodiment-Theorie – also die Idee, dass Körper und Geist nicht getrennt voneinander existieren, sondern ständig miteinander kommunizieren – zeigt uns etwas Faszinierendes: Dein Körper sendet konstant Signale an dein Gehirn über deinen emotionalen Zustand. Wenn du aufrecht stehst, mit offener Haltung und raumeinnehmend, dann interpretiert dein Gehirn diese Signale als: Hey, ich bin hier die Hauptperson, ich habe die Kontrolle, alles läuft.

Das nennt sich in der Psychologie der Self-Perception-Effekt: Wir schließen von unserem eigenen Verhalten auf unsere inneren Zustände. Dein Unterbewusstsein denkt sich: Ich stehe hier wie jemand, der sein Leben im Griff hat, also muss ich mich wohl ziemlich gut fühlen. Und schwupps – fühlst du dich tatsächlich besser.

Die Meta-Analyse von Dr. Robert Körner und seinen Kollegen hat das an Tausenden von Probanden gemessen. Menschen, die diese sogenannten Power Posen einnahmen, berichteten von gesteigertem Selbstwertgefühl und besserer Stimmung. Das ist kein Placebo-Effekt, sondern ein messbarer psychologischer Mechanismus.

Sogar Kinder profitieren davon

Das Beste? Dieser Effekt funktioniert nicht nur bei Erwachsenen. Eine Studie, die in School Psychology International veröffentlicht wurde, zeigt, dass bereits Schulkinder von offenen, dominanten Körperhaltungen profitieren. Nach nur zwei Minuten in einer aufrechten, raumeinnehmenden Pose fühlten sich die Kinder selbstsicherer und emotional positiver.

Das bedeutet: Dieser Körper-Geist-Zusammenhang ist kein kompliziertes Erwachsenen-Ding, das man erst lernen muss. Es ist etwas Grundlegendes in uns Menschen, das schon früh funktioniert. Dein Körper weiß instinktiv, wie er Selbstvertrauen ausdrückt – und kann es auch erzeugen.

Die Realität hinter dem Hype

Bevor du jetzt losrennst und erwartest, dass eine Zwei-Minuten-Pose dein ganzes Leben verändert: Lass uns kurz über die Grenzen sprechen. Ja, Power Posing funktioniert, aber nicht so magisch, wie manche Instagram-Coaches dir weismachen wollen.

Vielleicht hast du schon von dem berühmten TED-Talk gehört, der behauptete, bestimmte Posen würden deine Hormone verändern – mehr Testosteron, weniger Cortisol, und plötzlich bist du der Alpha im Raum. Das Problem? Diese Behauptungen konnten in späteren, größeren und besser kontrollierten Studien nicht zuverlässig repliziert werden. Die Wissenschaft hat nachgehakt und gesagt: Nope, so einfach ist es nicht.

Was wirklich passiert, ist subtiler, aber trotzdem wertvoll: Die Effekte von Power Posing beschränken sich hauptsächlich auf deine Selbstwahrnehmung und dein emotionales Erleben. Du fühlst dich kurzfristig selbstbewusster, präsenter und handlungsfähiger. Das ist kein permanenter Persönlichkeitswandel, sondern eher ein psychologischer Boost – wie ein Espresso für dein Selbstvertrauen.

Und nicht jede expansive Haltung funktioniert gleich gut. Einfach nur breitbeinig auf der Couch zu lümmeln, während du auf dein Handy starrst, bringt dir genau null. Die Haltung muss authentisch sein und tatsächlich Offenheit, Aufrichtung und bewusste Raumeinnahme beinhalten.

Wie andere Menschen darauf reagieren

Hier kommt noch eine weitere Ebene ins Spiel: Deine Körperhaltung beeinflusst nicht nur, wie du dich selbst fühlst, sondern auch, wie andere dich wahrnehmen. Menschen lesen ständig nonverbale Signale, meist völlig unbewusst.

Studien zur nonverbalen Dominanz zeigen: Wenn du mit offener, aufrechter Körperhaltung in einen Raum kommst, senden diese Signale Botschaften von Kompetenz, Selbstsicherheit und Status. Andere Menschen reagieren darauf – sie nehmen dich ernster, hören dir aufmerksamer zu, trauen dir mehr zu. Das verstärkt wiederum dein eigenes Selbstbewusstsein. Ein positiver Kreislauf entsteht.

Umgekehrt funktioniert das leider genauso: Eine zusammengezogene, kleine Körperhaltung lädt andere unbewusst ein, dich zu übersehen oder nicht ernst zu nehmen. Forschung zeigt, dass Menschen, die mehr Raum einnehmen, in Gruppensituationen als einflussreicher wahrgenommen werden – in Meetings, bei Verhandlungen, sogar in alltäglichen sozialen Interaktionen.

Der praktische Teil: Wie du das nutzen kannst

Okay, genug Theorie. Wie kannst du dieses Wissen jetzt konkret nutzen, ohne dass deine Kollegen denken, du hättest zu viele Motivations-Podcasts gehört?

Zunächst: Achte auf deine Standard-Haltung im Alltag. Die meisten von uns verbringen den Tag in einer leicht zusammengesackten Position – am Schreibtisch, auf der Couch, beim ständigen Blick aufs Smartphone. Diese konstante Körperhaltung der Verkleinerung sendet kontinuierlich Signale an dein Gehirn, die dein Selbstwertgefühl definitiv nicht fördern.

Du musst nicht den ganzen Tag wie ein Superheld rumstehen, aber kleine Anpassungen können einen echten Unterschied machen. Wenn du merkst, dass du zusammengesunken dasitzt, richte dich bewusst auf. Zieh deine Schultern zurück und nach unten. Öffne deine Brust. Atme tief und bewusst durch.

Vor wichtigen Momenten – einem Vorstellungsgespräch, einer Präsentation, einem schwierigen Gespräch mit dem Chef – nimm dir bewusst zwei Minuten für eine Power Pose. Geh auf die Toilette, stell dich breitbeinig hin, Hände in die Hüften oder Arme nach oben gestreckt, und halte das für 120 Sekunden. Ja, du wirst dich vielleicht albern fühlen. Aber die Forschung mit fast 10.000 Probanden sagt: Es funktioniert.

Ein einfaches Experiment für Skeptiker

Falls du immer noch denkst das kann doch nicht wirklich funktionieren, dann mach dein eigenes Experiment. Wissenschaft lebt schließlich davon, dass Ergebnisse reproduzierbar sind.

Nimm dir über eine Woche hinweg jeden Tag vor einem wichtigen Moment zwei Minuten Zeit für eine Power Pose. Steh breitbeinig, Hände in die Hüften, Brust raus, Kinn leicht angehoben. Atme dabei tief und ruhig. Dann geh in die Situation und achte genau darauf, wie du dich fühlst und wie andere auf dich reagieren.

Fühlst du dich tatsächlich selbstsicherer? Trittst du anders auf? Reagieren Menschen unterschiedlich auf dich? Das kostet dich nichts, hat keine Nebenwirkungen – außer vielleicht seltsamen Blicken, wenn dich jemand auf dem Klo beim Power Posen erwischt – und ist in Minuten umsetzbar.

Was das über uns Menschen verrät

Das Ganze zeigt uns etwas Fundamentales über die menschliche Psyche: Wir sind nicht nur unsere Gedanken. Jahrhundertelang hat die westliche Philosophie Körper und Geist als getrennte Entitäten behandelt. Die moderne Psychologie zeigt uns zunehmend, wie naiv diese Trennung ist.

Dein Körper ist nicht nur ein Fahrzeug für dein Bewusstsein – er ist ein integraler Teil davon. Die bevorzugte Körperhaltung selbstbewusster Menschen ist also mehr als nur eine interessante Beobachtung. Sie ist ein Fenster in die Funktionsweise unseres Geist-Körper-Systems und zeigt uns, dass Veränderung nicht immer von innen nach außen gehen muss – manchmal können wir von außen nach innen arbeiten.

Der Kontext ist entscheidend

Eine wichtige Sache noch: Kontext und Kultur spielen eine Rolle. Was in einer westlichen, individualistischen Kultur als selbstbewusst gilt, kann in kollektivistischeren Kulturen als aggressiv oder respektlos interpretiert werden. Die Grundprinzipien der Embodiment-Theorie gelten zwar universal, aber ihre soziale Interpretation variiert.

Auch die Situation ist wichtig. In einem Vorstellungsgespräch wirkt eine aufrechte, offene Haltung professionell und selbstsicher. Beim ersten Date könnte eine zu dominante Körpersprache einschüchternd wirken. Es geht darum, ein Gefühl für angemessene Präsenz zu entwickeln – präsent zu sein, ohne aufdringlich zu werden.

Frauen stehen hier oft vor einem besonderen Dilemma: Studien zeigen, dass dieselbe selbstbewusste Körpersprache bei Männern als Führungsqualität, bei Frauen manchmal als unweiblich oder zu dominant interpretiert wird. Das ist ein gesellschaftliches Problem, keine Schwäche – aber es ist eine Realität, mit der umgegangen werden muss.

Die Langzeitperspektive nicht vergessen

Power Posing ist kein Ersatz für echte Arbeit an deinem Selbstwertgefühl. Es ist ein Tool, das dir in bestimmten Momenten helfen kann – denk daran wie an einen Energydrink für dein Selbstbewusstsein. Ein schneller Boost, der definitiv hilfreich ist, aber keine dauerhafte Lösung.

Echtes, stabiles Selbstvertrauen kommt aus tieferen Quellen: aus Erfahrungen, in denen du deine Kompetenz unter Beweis gestellt hast, aus authentischen Beziehungen, aus Selbstakzeptanz und persönlichem Wachstum. Die Körperhaltung kann dich in Momenten unterstützen, in denen du Zugang zu diesem inneren Selbstvertrauen brauchst, aber sie kann es nicht aus dem Nichts erschaffen.

Interessanterweise zeigt die Forschung aber auch: Wiederholte positive Erfahrungen – auch solche, die durch bewusste Körperhaltungen initiiert wurden – können langfristig deine Selbstwahrnehmung beeinflussen. Wenn du regelmäßig aufrecht stehst, dich präsent zeigst und dabei positive Erfahrungen machst, trainierst du nicht nur deinen Körper, sondern auch dein psychologisches Selbstbild.

Was du ab jetzt anders machen kannst

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Forschung lassen sich in ein paar simple Punkte zusammenfassen:

  • Selbstbewusste Menschen bevorzugen offene, aufrechte und raumeinnehmende Körperhaltungen
  • Diese Haltungen beeinflussen aktiv, wie wir uns fühlen und wie andere uns wahrnehmen
  • Der Effekt tritt schon nach zwei Minuten ein und ist messbar
  • Es geht nicht um Hormone oder permanente Persönlichkeitsveränderung, sondern um einen kurzfristigen psychologischen Boost
  • Die Technik funktioniert sogar bei Kindern und ist kulturübergreifend nachweisbar

Beim nächsten Mal, wenn du dich klein, unsicher oder überwältigt fühlst: Steh auf, mach dich groß, nimm bewusst Raum ein. Dein Körper wird deinem Geist eine klare Nachricht senden – und manchmal ist das genau der Schubser, den du brauchst, um in deine Kraft zu kommen.

Die Wissenschaft mit über 100 Studien und fast 10.000 Probanden sagt: Es funktioniert. Nicht magisch, nicht über Nacht, nicht als Wundermittel für alle Lebenslagen. Aber als ein Tool unter vielen, um deine psychologische Erfahrung aktiv zu gestalten. Und in einer Welt, die oft genug versucht, uns klein zu halten, ist jedes wissenschaftlich fundierte Werkzeug willkommen, das uns hilft, aufrecht zu stehen und Raum einzunehmen. Dein zukünftiges, selbstbewussteres Ich wird dir dafür danken.

Welche Pose gibt dir sofort das Gefühl, die Kontrolle zu haben?
Wonder Woman
Sieges-V
Power-Sitz
Chef-mit-Kaffee
Schulter-zurück-Modus

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