Telegram gehört zu den beliebtesten Messenger-Apps weltweit und punktet mit zahlreichen Features, die WhatsApp und Co. oft noch fehlen. Besonders praktisch: Ihr könnt euren Account auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen – vom Smartphone über das Tablet bis zum Desktop-PC. Doch genau diese Flexibilität birgt ein Risiko, das viele Nutzer völlig unterschätzen. Wer nicht aufpasst, hinterlässt eine digitale Spur offener Sessions, die im schlimmsten Fall zur Sicherheitslücke werden kann.
Wenn Komfort zur Gefahr wird
Die Möglichkeit, Telegram auf unbegrenzt vielen Geräten parallel zu verwenden, ist zweifellos bequem. Ihr chattet am Rechner im Büro, checkt Nachrichten unterwegs auf dem Smartphone und entspannt abends mit dem Tablet auf der Couch. Anders als bei WhatsApp, wo ein Gerätewechsel umständlich ist, funktioniert bei Telegram alles nahtlos. Doch hier liegt auch die Krux: Jedes Mal, wenn ihr euch auf einem neuen Gerät anmeldet, entsteht eine neue Session, die Aufmerksamkeit erfordert.
Das Problem verschärft sich, wenn ihr euch beispielsweise am Laptop eines Freundes einloggt, ein altes Smartphone verkauft oder im Internet-Café mal eben schnell eure Nachrichten checkt. Noch dazu bemerken viele Nutzer gar nicht, dass jede aktive Sitzung in den Einstellungen aufgelistet wird – inklusive Gerätename, IP-Adresse und letzter Aktivität. Telegram speichert IP-Adressen und Gerätedetails bis zu zwölf Monate lang, was bei Datenpannen problematisch werden kann. Hacker könnten durch solche Informationen den Standort erfassen und Online-Aktivitäten überwachen.
Was ihr über aktive Sessions wissen müsst
Telegram zeigt euch transparent alle Geräte an, auf denen euer Account gerade aktiv ist. Das ist eigentlich ein cleveres Sicherheitsfeature, das jedoch nur funktioniert, wenn ihr es auch nutzt. Viele User wissen schlichtweg nicht, dass diese Übersicht existiert, oder schauen dort jahrelang nicht rein. Das Ergebnis: Eine Liste mit Dutzenden vergessener Sessions von längst ausrangierten Smartphones, fremden Computern oder dem alten Tablet, das mittlerweile in anderen Händen ist.
Besonders tückisch wird es, wenn ihr euch auf einem öffentlichen oder geteilten Gerät einloggt. Selbst wenn ihr die App schließt, kann die Session weiterhin bestehen bleiben. Deshalb ist es wichtig, Sessions nach der Nutzung fremder Geräte aktiv zu beenden. Wenn ihr eure aktiven Sitzungen überprüft, seht ihr Details wie Gerätename und Betriebssystem, den Standort basierend auf der IP-Adresse, die vollständige Netzwerkadresse des Geräts, den Zeitpunkt der letzten Aktivität sowie die Information, ob eine offizielle oder inoffizielle App verwendet wird.
So überprüft ihr eure aktiven Sessions
Der Weg zur Übersicht eurer Telegram-Sessions ist glücklicherweise unkompliziert. Öffnet die App und tippt auf die drei horizontalen Linien oder euer Profilbild. Navigiert dann zu „Einstellungen“ und wählt den Punkt „Datenschutz und Sicherheit“. Dort findet ihr den Eintrag „Aktive Sessions“ oder „Geräte“, je nach Spracheinstellung auch „Active Sessions“ genannt.
Was ihr nun seht, ist die vollständige Liste aller Geräte, die gerade Zugriff auf euren Account haben. Ganz oben steht immer die aktuelle Session, also das Gerät, das ihr gerade in der Hand haltet. Darunter folgen alle weiteren aktiven Anmeldungen. Scrollt in Ruhe durch die Liste und achtet besonders auf Einträge, die euch nicht bekannt vorkommen oder bei denen die letzte Aktivität ungewöhnlich erscheint.
Verdächtige Sessions erkennen
Manchmal ist es gar nicht so einfach zu erkennen, welche Session zu welchem Gerät gehört. Ein „Chrome Windows“ könnte sowohl euer Arbeitsrechner als auch der PC in der Bibliothek sein. Hier helfen euch die zusätzlichen Informationen: Stimmt der Standort? Passt die IP-Adresse zu eurem Heimnetzwerk oder Mobilfunkanbieter? War die letzte Aktivität zu einem Zeitpunkt, an dem ihr tatsächlich dieses Gerät genutzt habt?

Besonders alarmierend sind Sessions aus Ländern oder Städten, in denen ihr euch nie aufgehalten habt. Auch Anmeldungen von Gerätetypen, die ihr nicht besitzt, sind ein klares Warnsignal. In solchen Fällen solltet ihr sofort handeln.
Sessions beenden – so geht es richtig
Habt ihr eine verdächtige oder einfach veraltete Session entdeckt, könnt ihr sie mit wenigen Klicks beenden. Tippt dazu auf den entsprechenden Eintrag in der Liste. Es öffnet sich ein Detailfenster mit allen Informationen zu dieser Sitzung. Unten findet ihr die Option „Session beenden“ oder ein ähnlich formuliertes Kommando. Nach der Bestätigung wird die Verbindung sofort gekappt und das betreffende Gerät verliert den Zugriff auf euren Account.
Noch drastischer ist die Option „Alle anderen Sessions beenden“, die ihr ebenfalls in der Übersicht findet. Mit dieser Funktion werft ihr im Handumdrehen alle Geräte raus – außer dem, das ihr gerade verwendet. Das ist besonders praktisch, wenn ihr den Überblick verloren habt oder auf Nummer sicher gehen wollt. Allerdings müsst ihr euch dann auf allen legitimen Geräten neu anmelden, was je nach Anzahl eurer Devices etwas Zeit kosten kann.
Prävention: So vermeidet ihr Session-Chaos
Der beste Schutz ist natürlich, das Problem gar nicht erst entstehen zu lassen. Wenn ihr Telegram auf einem fremden oder öffentlichen Gerät verwendet, beendet die Session direkt nach der Nutzung über die Einstellungen. Ein simples Schließen der App reicht nicht aus. Gewöhnt euch an, nach der Verwendung eines Leihgeräts oder Internet-Cafés sofort über euer Smartphone in die Session-Übersicht zu gehen und die entsprechende Anmeldung zu entfernen.
Bei Geräten, die ihr verkauft oder verschenkt, solltet ihr vor der Übergabe nicht nur die App deinstallieren, sondern auch die Session beenden. Idealerweise setzt ihr das komplette Gerät auf Werkseinstellungen zurück, doch die manuelle Beendigung der Telegram-Session bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene. Macht es euch zur Gewohnheit, einmal im Quartal oder zumindest halbjährlich eure aktiven Sessions zu checken. Setzt euch dafür eine Erinnerung im Kalender oder verbindet es mit einer anderen regelmäßigen Aufgabe, etwa dem Aufräumen eurer Chat-Liste oder dem Überprüfen eurer Datenschutz-Einstellungen.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für euren Telegram-Account
Die Kontrolle aktiver Sessions ist nur ein Baustein eurer digitalen Sicherheit. Aktiviert unbedingt die Zwei-Faktor-Authentifizierung in den Datenschutz-Einstellungen. Damit schützt ihr euren Account mit einem zusätzlichen Passwort, das bei jeder neuen Anmeldung abgefragt wird. Selbst wenn jemand Zugriff auf eure Telefonnummer hat, kann er sich ohne dieses Passwort nicht einloggen. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt insbesondere vor SIM-Swapping und Kontoubernahmen und wird von Sicherheitsexperten als Standard-Sicherheitsmaßnahme empfohlen.
Die Multi-Device-Funktion von Telegram ist ein mächtiges Werkzeug, das euren Messenger-Alltag erheblich erleichtern kann. Doch wie bei allen praktischen Features gilt: Mit großer Flexibilität kommt auch große Verantwortung. Wer seine aktiven Sessions im Blick behält und bewusst mit den Anmeldemöglichkeiten umgeht, profitiert von allen Vorteilen ohne unnötige Sicherheitsrisiken einzugehen. Ein kurzer Blick in die Einstellungen alle paar Monate ist eine kleine Investition mit großer Wirkung für eure digitale Sicherheit.
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