Leidest du unter einer versteckten Phobie, die deine Karriere sabotiert? Das sagen Experten

Du denkst, du triffst deine Karriereentscheidungen bewusst? Think again!

Kennst du das Gefühl, wenn dein Herz anfängt zu rasen, nur weil dein Chef dich zu einem „kurzen Gespräch“ bittet? Oder wenn du plötzlich krank wirst, sobald eine wichtige Präsentation ansteht? Was wie normale Nervosität aussieht, könnte in Wahrheit eine versteckte Phobie sein, die heimlich deine gesamte Laufbahn steuert. Und das Verrückte daran: Du merkst es nicht mal.

Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden irgendwann in ihrem Leben unter behandlungsbedürftigen Angststörungen – das sind über 12 Millionen Menschen. Während jeder weiß, was Spinnenangst bedeutet, fliegen die wirklich karriereschädlichen Phobien völlig unter dem Radar. Sie tarnen sich als persönliche Vorlieben oder Charakterzüge, während sie im Hintergrund dafür sorgen, dass du systematisch unter deinen Möglichkeiten bleibst.

Die Phobie, die sich als „Persönlichkeit“ verkleidet

Professor Fritz Hohagen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein bringt es auf den Punkt: Vermeidungsverhalten kann zu erheblichen Einschränkungen führen, die das gesamte Berufsleben prägen. Das Problem? Betroffene denken, sie treffen bewusste Entscheidungen, obwohl dahinter eine handfeste Angststörung steckt.

Du sagst seit Jahren: „Ich bin halt nicht der Typ für Führungspositionen“ oder „Präsentationen liegen mir einfach nicht“. Klingt nach einer ehrlichen Selbsteinschätzung, oder? Aber was, wenn dahinter eine soziale Phobie steckt – eine der häufigsten Angststörungen überhaupt, die zwischen 7 und 12 Prozent der Bevölkerung betrifft?

Menschen mit sozialer Phobie entwickeln eine panische Angst vor Situationen, in denen sie bewertet werden könnten. Das Gemeine daran: Diese Angst führt zu einem perfekt getarnten Vermeidungsverhalten, das aussieht wie persönliche Präferenzen.

Wenn dein Gehirn dich sabotiert, ohne dass du es merkst

Die Forschung zeigt: Menschen mit sozialen Phobien werden dreimal häufiger arbeitslos als der Durchschnitt. Und das hat nichts mit mangelnder Intelligenz oder fehlenden Qualifikationen zu tun. Es liegt daran, dass sie unbewusst jede Situation meiden, die ihre Angst triggern könnte.

Das sieht dann so aus: Keine Gehaltsverhandlungen, weil das Gespräch mit dem Chef zur Horrorvorstellung wird. Keine Bewerbungen auf höhere Positionen, weil Führung bedeutet Meetings, Präsentationen und Bewertungen. Abgesagte Bewerbungsgespräche, weil die Prüfungssituation lähmend wirkt. Isolation im Team, weil Networking und Smalltalk zur Qual werden.

Dr. Sarah Liebherz von der Universität Würzburg hat in ihren Studien zur Arbeitsplatzangst festgestellt: Viele Betroffene bleiben jahrzehntelang unter ihren beruflichen Möglichkeiten und entwickeln Ersatzstrategien. Wird die Präsentation zum Horror, spezialisiert man sich eben auf schriftliche Kommunikation. Sind Meetings der Albtraum, wird man zum E-Mail-Profi. Das funktioniert – aber nur bis zu einem bestimmten Karrierelevel.

Das perfekte Timing für maximalen Schaden

Hier wird es richtig gemein: Soziale Phobien entwickeln sich meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Das ist exakt die Phase, in der die wichtigsten beruflichen Weichen gestellt werden. Während deine Kollegen ihre ersten Führungserfahrungen sammeln, Gehaltsverhandlungen wagen und Netzwerke aufbauen, sitzt du in der Vermeidungsfalle fest.

Unser Gehirn ist ein Meister darin, uns zu belügen. Statt zu denken „Ich habe Angst vor Präsentationen“, rationalisieren Betroffene: „Ich bin eher der analytische Typ“ oder „Führung liegt mir nicht“. Psychologen nennen diesen Mechanismus Vermeidungslernen – die Angst verschwindet hinter einer scheinbar bewussten Entscheidung.

Es sind nicht nur die „klassischen“ Ängste

Wissenschaftlich sind etwa 600 verschiedene Phobien dokumentiert, aber die wenigsten schaffen es ins öffentliche Bewusstsein. Neben der sozialen Phobie gibt es andere Angststörungen, die Karrieren heimlich sabotieren können.

Agoraphobie – die Angst vor weiten Plätzen oder Menschenmengen – verwandelt Geschäftsreisen, Messen und Konferenzen in Albträume. Betroffene werden zu zuverlässigen Homeoffice-Mitarbeitern, aber ihr Potenzial für internationale Projekte bleibt völlig ungenutzt.

Spezifische Phobien können überraschend karrierebeeinflussend sein. Höhenangst schließt komplette Branchen aus – von der Luftfahrt über das Bauwesen bis hin zu Jobs in Wolkenkratzern. Fahrstuhlphobie wird in modernen Bürogebäuden zum echten Problem. Selbst die Angst vor bestimmten Technologien kann berufliche Entwicklungen komplett blockieren.

Warum Frauen doppelt bestraft werden

Hier kommt ein besonders fieser Aspekt: Frauen sind etwa doppelt so häufig von Angststörungen betroffen wie Männer. Das könnte erklären, warum manche Karriereunterschiede zwischen den Geschlechtern so hartnäckig bestehen bleiben – nicht wegen fehlender Ambitionen, sondern wegen unbehandelter Ängste, die als „weibliche Bescheidenheit“ oder „mangelndes Selbstvertrauen“ fehlinterpretiert werden.

Besonders perfide: Während ein Mann, der Meetings meidet, vielleicht als „introvertierter Denker“ gesehen wird, wird eine Frau mit dem gleichen Verhalten schnell als „nicht durchsetzungsfähig“ abgestempelt. Die Angststörung wird zur doppelten Karrierebremse.

Der Teufelskreis, der dich gefangen hält

Das Tückische an phobienbedingtem Vermeidungsverhalten: Es verstärkt sich selbst. Jedes Mal, wenn du einer angstauslösenden Situation aus dem Weg gehst, bestätigst du deinem Gehirn, dass die Gefahr real ist. Die Präsentation, die du absagst, wird zur nächsten noch bedrohlicher. Das Bewerbungsgespräch, dem du ausweichst, macht das nächste noch angsteinflößender.

So entsteht ein Teufelskreis: Phobie führt zu Vermeidung, was die Phobie verstärkt, was zu noch mehr Vermeidung führt, was schließlich in beruflicher Stagnation endet. Forscher beschreiben den Extremfall als „vollständigen Rückzug aus dem Berufsleben“ – Menschen werden nicht nur arbeitslos, sondern trauen sich gar nicht mehr zu, eine Anstellung zu suchen.

Erkennst du dich in diesem Spiegel wieder?

Falls du jetzt denkst: „Moment mal, könnte das bei mir der Fall sein?“, hier sind einige Warnsignale:

  • Du findest immer perfekte Gründe, warum bestimmte Jobchancen „nicht das Richtige“ für dich sind
  • Du bist hochqualifiziert, aber deine Karriere dümpelt ohne ersichtlichen Grund vor sich hin
  • Bei bestimmten Arbeitsaufgaben fühlst du dich körperlich unwohl – Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit
  • Du meidest systematisch bestimmte Situationen, die in deinem Berufsfeld eigentlich Standard sind
  • Du hast schon mal eine Beförderung abgelehnt, obwohl du fachlich geeignet warst

Plot Twist: Angststörungen sind heilbar

Bevor du in Panik verfällst – hier kommt die gute Nachricht: Angststörungen gehören zu den am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen überhaupt. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden zeigen bei Phobien Erfolgsraten zwischen 70 und 90 Prozent. Das ist besser als bei den meisten körperlichen Krankheiten!

Die Behandlung arbeitet meist mit Expositionstherapie – der schrittweisen, kontrollierten Konfrontation mit der angstauslösenden Situation. Klingt gruselig, ist aber hocheffektiv. Moderne Ansätze nutzen sogar Virtual Reality, um sichere Übungsräume zu schaffen. Zusätzlich lernen Betroffene Techniken zur Angstregulation: Atemübungen, Entspannungsverfahren und kognitive Strategien, um irrationale Gedankenmuster zu durchbrechen.

Viele berichten nach erfolgreicher Therapie, dass sie erstaunt sind, wie viele Türen sich plötzlich öffnen. Menschen, die jahrelang dachten, sie seien „einfach nicht der Typ“ für bestimmte Jobs, entdecken völlig neue Seiten an sich.

Dein Weckruf: Zeit für ehrliche Selbstreflexion

Falls du den Verdacht hast, dass eine versteckte Phobie deine Karriere beeinflusst, ist der erste Schritt nicht der Gang zum Therapeuten – sondern brutale Ehrlichkeit mit dir selbst. Frag dich: Welche beruflichen Entscheidungen habe ich aus Angst getroffen? Welche Chancen habe ich gemieden? Was wäre möglich, wenn die Angst verschwinden würde?

Oft ist schon diese Erkenntnis unglaublich befreiend. Plötzlich wird klar: Du bist nicht faul, unambitioniert oder „nicht der Typ dafür“. Du hast eine behandelbare Erkrankung, die dich daran gehindert hat, dein volles Potenzial auszuschöpfen.

Der erste Schritt in deine neue Karriere

Die zweite gute Nachricht: Du bist definitiv nicht allein. In jedem Unternehmen, in jeder Branche kämpfen Menschen mit ähnlichen unsichtbaren Barrieren. Viele erfolgreiche Persönlichkeiten haben ihre Karrieren gerade wegen – nicht trotz – ihrer überwundenen Ängste vorangetrieben.

Deine versteckte Phobie ist nicht dein Schicksal. Sie ist nur ein Umweg, den dein Leben genommen hat. Mit der richtigen Unterstützung kannst du diesen Umweg verlassen und endlich den direkten Weg zu deinen beruflichen Zielen einschlagen. Der Weg dorthin beginnt mit einem einzigen, mutigen Gedanken: „Vielleicht ist es Zeit, etwas zu ändern.“

Und wer weiß? Vielleicht stellst du in einem Jahr fest, dass die Person, die du „schon immer warst“, in Wahrheit nur die ängstliche Version von dir war. Die echte Version – die ohne Phobien – könnte dich überraschen. Sie wartet darauf, endlich ihre wahren beruflichen Ambitionen zu verwirklichen.

Welche 'Karriereentscheidung' könnte bei dir eine versteckte Angst kaschieren?
Keine Führung wollen
Nie bewerben
Keine Gehaltsverhandlungen
Immer im Homeoffice
Präsentieren vermeiden

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